Einleitung
Die Blattjagd auf den Rehbock verlangt mehr als einen passenden Locker. Wer den Brunftstand im Revier erkennt, Wetter und Wind richtig einordnet und die Laute dosiert einsetzt, verbessert seine Chancen auf einen sauberen Anblick. Dabei kommt es auf den passenden Zeitraum, eine zurückhaltende Lautfolge und einen sorgfältig bezogenen Blattstand an.
Passender Zeitraum für die Blattjagd auf den Rehbock

Wann die Blattjagd auf den Rehbock beginnt
Die Paarungszeit des Rehwilds und die eigentliche Lockphase sind nicht dasselbe. Als Brunft gilt der gesamte Zeitraum, der je nach Witterung und Region etwa von Mitte Juli bis Anfang August reicht. Innerhalb dieser Spanne gibt es jedoch eine engere Phase, in der Böcke besonders zuverlässig auf Locklaute reagieren. Diese engere Blattzeit setzt nach vielen Beobachtungen erst später ein, oft ab Ende Juli oder Anfang August, also gegen den Ausklang der Brunftzeit.
Der Grund liegt im Verhalten der Böcke selbst. Zu Beginn dieser Zeit stehen viele bereits bei brünftigen Ricken und lassen sich kaum ablenken. Erst wenn ein großer Teil der Ricken beschlagen ist, beginnen die verbleibenden Böcke aktiver zu suchen. Genau dann steigt die Bereitschaft, auf einen nachgeahmten Fiepton von Ricke oder Kitz anzusprechen. Wer zu früh blattet, riskiert deshalb, dass selbst gute Lauttechnik wirkungslos bleibt. Die Unterscheidung zwischen Brunftbeginn und tatsächlicher Lockbereitschaft ist damit die Grundlage jeder erfolgreichen Blattjagd auf den Rehbock.
Witterung und Windrichtung richtig einschätzen
Morgen und Abend bleiben die verlässlichsten Zeiten für den Ansitz, doch die Brunft verändert dieses Muster. Ein suchender Bock kann auch am Vormittag, zur Mittagszeit oder am frühen Nachmittag ziehen, besonders wenn er einer Ricke oder einem vermeintlichen Rivalen folgt. Wer starr auf Dämmerung setzt, verschenkt deshalb Möglichkeiten. Frische Fegestellen, Wechsel und das Verhalten der Ricken zeigen zuverlässiger als die Uhrzeit, wann ein Revier gerade belebt ist.
Warme, ruhige und leicht bedeckte Tage begünstigen die Blattjagd auf den Rehbock, weil sich Rehwild dann länger im Offenen zeigt und Locklaute klar übertragen werden. Leichter, gleichmäßiger Regen ist meist unproblematisch, Gewitter, Sturm und plötzliche Wetterwechsel dagegen ungünstig. Bei großer Hitze zieht sich Rehwild oft in schattige Einstände zurück, tagsüber lohnt sich dann besonders die Beobachtung kühlerer Randzonen.
Mehr als das Wetter zählt der Wind. Er trägt den Lockruf, verrät aber auch die Witterung des Jägers. Schwacher, gleichmäßiger Wind ist ideal, wechselnde oder thermisch bedingte Strömungen an Waldrändern erfordern besondere Vorsicht. Nur wenn der erwartete Anwechsel sicher gegen den Wind liegt, entfaltet das Blatten seine volle Wirkung.
Lockrufe werden gezielt gesteigert

Der zurückhaltende erste Ton
Nach dem Beziehen des Standes heißt es zunächst warten, etwa 10 bis 15 Minuten, bis sich Wald und Feld wieder beruhigt haben. Erst dann greift man zum ersten und wichtigsten Locklaut: dem Rickenfiep. Er ahmt den Ruf einer paarungsbereiten Ricke nach und signalisiert dem Bock eine brunftige Ricke in unmittelbarer Nähe. Genau deshalb gilt er als der Laut mit der stärksten Anziehungskraft zum Einstieg.
Bewährt hat sich, ihn nicht einmalig, sondern in drei bis vier kurzen Serien einzusetzen, mit jeweils 90 bis 120 Sekunden Pause dazwischen. Diese Ruhephasen geben dem Bock Zeit, den Laut zu orten und sich anzupirschen, ohne dass Hektik entsteht. Wer zu schnell nachlegt, riskiert, dass ein bereits anwechselnder Bock verunsichert wird.
Der Rickenfiep wirkt am besten während der eigentlichen Blattzeit, mit der höchsten Erfolgschance gegen Ende Juli. Bei kühler, bedeckter Witterung lässt er sich auch tagsüber einsetzen, bei größerer Hitze eignen sich eher die frühen Morgenstunden oder der späte Abend. Bleibt trotz mehrfacher Serien jede Reaktion aus, ist dies das Signal, zu einem intensiveren Laut überzugehen.
Zwei Laute für mehr Dringlichkeit
Bleibt der Bock nach einem zurückhaltenden Rickenfiep aus, lässt sich die Lockfolge behutsam steigern. Der Kitzfiep klingt heller, kürzer und stärker klagend als das ruhige Fiepen der Ricke. Er entsteht mit wenig Luftdruck durch eine kleine Öffnung und eignet sich, um eine verhaltene Ruffolge vorsichtig zu beleben. Zwei bis drei helle Töne, danach eine längere, aufmerksame Pause reichen meist aus. Zu häufige oder zu gleichmäßige Wiederholungen wirken schnell unnatürlich und machen erfahrenes Rehwild misstrauisch.
Reagiert der Bock weiterhin nicht, kann der Sprengfiep folgen. Er ahmt eine von einem Bock getriebene Ricke nach und wirkt deutlich dringlicher. Mehrere kurze, hastige Fieptöne in rascher Folge sollen Bewegung und Aufregung vermitteln, keine gleichförmige Tonreihe. Nach dieser Lautfolge muss absolute Ruhe herrschen, denn er kann danach unvermittelt und zügig erscheinen. Der Anschlag muss deshalb bereits vorbereitet sein.
Beide Laute funktionieren nur als maßvolle Steigerung, nicht als Standardlaut. Nach jeder Serie sollte man lange genug warten, regungslos bleiben und die Reaktion des Wildes genau beobachten. Erst danach lässt sich entscheiden, ob weiteres Locken sinnvoll ist.
Der Ansitz wird sorgfältig gewählt

Witterung und Sichtschutz richtig kombinieren
Rehwild verfügt über einen sehr feinen Geruchssinn, weshalb der Wind über Erfolg oder Misserfolg der Blattjagd auf den Rehbock entscheidet. Trägt er die Witterung des Jägers zum erwarteten Anwechsel, nimmt der Bock die Gefahr oft wahr, bevor er auf einen Lockruf reagiert. Günstig ist meist Seitenwind: So kann sich das Tier den Lauten annähern, ohne sofort in die Duftfahne zu geraten. An Waldrändern, Schneisen, Hecken und Geländekanten verwirbelt der Wind jedoch leicht, deshalb muss er laufend kontrolliert werden. Weil ein angesprochener Bock oft sehr nah kommt, muss der Stand auch für diese kurze Distanz windrichtig liegen.
Gleichzeitig braucht der Platz freie Sicht auf den erwarteten Bereich und ausreichenden Sichtschutz für den Jäger selbst. Hecken, Waldrand oder hohe Vegetation eignen sich gut, sofern die eigene Silhouette sich nicht gegen Himmel oder helle Flächen abzeichnet. Ein Abstand von etwa 50 bis 75 Metern zur Deckung erlaubt es, austretende Böcke früh zu erkennen und sauber anzusprechen. Auch der Anmarsch sollte wind- und deckungsgerecht erfolgen, ruhig und ohne bekannte Wechsel zu queren. Verändert sich der Wind während des Ansitzes ungünstig, ist ein Standortwechsel oft sinnvoller als weiteres Blatten.
Ruhe vor der Blattjagd auf den Rehbock
Ist der Blattstand bezogen, beginnt die eigentliche Geduldsprobe schon vor dem ersten Laut. Diese Wartezeit ist kein bloßes Ritual, sondern hat einen klaren Zweck: Das Anwechseln zum Stand verursacht unvermeidlich Geräusche und Bewegung, die das Rehwild in der Umgebung registriert. Wird sofort mit dem Locken begonnen, verknüpft wachsames Wild die menschliche Störung leicht mit dem folgenden Ruf und bleibt misstrauisch. Erst wenn sich die Umgebung wieder beruhigt hat, wirken die nachgeahmten Laute glaubwürdig und natürlich. Schreckt beim Angehen tatsächlich Rehwild, gilt dieselbe Regel: Auch dann sollte etwa eine Viertelstunde vergehen, bevor der erste Ruf erfolgt. So bekommt das beunruhigte Wild Zeit, sich zu sammeln und wieder in einen unbefangenen Zustand zurückzufinden. Wer diese Wartephase konsequent einhält, erhöht die Chance, dass ein Bock den Lockruf tatsächlich als Ricke oder Kitz deutet und nicht als Vorwarnung. Ruhe am Stand ist damit die Grundlage für jeden weiteren Schritt der Blattjagd auf den Rehbock.
Fazit
Erfolgreiche Blattjagd entsteht nicht durch möglichst viele Laute, sondern durch Beobachtung und Geduld. Wähle den Termin nach dem lokalen Brunftstand, passe die Jagdzeit an Wetter und Aktivität an und beginne mit zurückhaltenden Rufen. Ein windgünstiger, ruhiger Ansitz macht aus dem Locker erst ein wirksames Werkzeug. Wer dem Rehbock Zeit lässt und jede Situation waidgerecht beurteilt, jagt nicht nur erfolgversprechender, sondern auch verantwortungsvoll.
Quelle: Deutscher Jagdverband: Rehe im Liebesrausch
Rechtlicher Rahmen: Die Jagdzeit auf den Rehbock steht in der Jagdzeitenverordnung des Bundes, doch nach § 22 BJagdG können die Länder Jagdzeiten abkürzen oder aufheben – maßgeblich ist die Jagd- und Schonzeitregelung deines Bundeslandes. Dieser Beitrag behandelt allein die Praxis des Blattens, nicht die rechtliche Zulässigkeit.
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