Warum die Fichtenforste sterben: Dürre, Borkenkäfer und was danach kommt

Abgestorbene Fichtenstämme ohne Nadeln, dazwischen junge grüne Fichten auf einer Bergkuppe
Symbolbild: abgestorbener Fichtenbestand, dazwischen junge Fichten aus Naturverjüngung. Foto: Felix Mittermeier / Pexels

Die Kahlschlagflächen, auf denen im August 2026 im Hürtgenwald ein großer Teil des Feuers lief, sind nicht vom Himmel gefallen. Auf ihnen standen 2016 noch zu 83 Prozent Fichten. Was zwischen diesen beiden Zeitpunkten passiert ist, ist das größte Waldereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte – und es lässt sich erstaunlich genau beziffern.

Das Fichtensterben auf einen Blick

  • Wie viel Fichte verloren ging: Die Fichte steht nach der vierten Bundeswaldinventur noch auf 2,3 Millionen Hektar und hat in der Inventurperiode bis 2022 nach Angaben des Thünen-Instituts „16,8 % oder 461.000 Hektar an Fläche verloren“.
  • Wie viel Holz anfiel: Für die Jahre 2018 bis 2025 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Kalamitätsholzanfall von „über 318 Mio. Festmetern“ erfasst – davon rund 290 Millionen Festmeter Nadelholz (Stand 05.06.2026).
  • Was die Fichte anfällig macht: Trockenheit senkt den Harzdruck, mit dem die Fichte anfliegende Käfer abwehrt. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schreibt zum Kupferstecher, diese Art profitiere „vom verminderten Harzdruck in Folge von Trockenstress“.
  • Der maßgebliche Käfer: Der Buchdrucker (Ips typographus) befällt nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bevorzugt Fichten. Er bildet nach Angaben des Umweltbundesamtes normalerweise zwei Generationen pro Sommer aus – unter veränderten Witterungsbedingungen sind vier und mehr Vermehrungszyklen möglich.
  • Die Lage entspannt sich: 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 7,9 Millionen Kubikmeter Schadholz durch Insektenschäden eingeschlagen – 81,8 Prozent weniger als im Rekordjahr 2020 mit 43,3 Millionen Kubikmetern.
  • Der Vorbehalt dazu: Auch die Waldzustandserhebung meldet für die Fichte bessere Werte, warnt aber selbst: Abgestorbene Bäume werden in der Stichprobe durch neue ersetzt. Ein Teil der Verbesserung ist Folge des Absterbens, nicht der Erholung.
  • Was folgt: Mehr als 500.000 Hektar Waldfläche müssen in Deutschland nach Schätzung von Fachleuten wiederbewaldet werden. In Nordrhein-Westfalen entstanden bis 2024 rund 59.000 Hektar neu – zu 64 Prozent aus Naturverjüngung.

Was passiert ist – in Zahlen

461.000 Hektar Fichte weniger

Die vierte Bundeswaldinventur, erhoben 2021 und 2022 und im Oktober 2024 veröffentlicht, ist die belastbarste Bestandsaufnahme, die es gibt. Sie zeigt einen Wald von 11,5 Millionen Hektar – ein Drittel der Fläche Deutschlands. Die vier häufigsten Baumarten sind demnach Kiefer mit 22 Prozent des Holzbodens, Fichte mit 21 Prozent, Buche mit 17 Prozent und Eiche mit 12 Prozent.

Die entscheidende Zahl steht daneben: Die Fichte „steht noch auf 2,3 Mio. Hektar (20,9 %) und hat in der letzten Inventurperiode 16,8 % oder 461.000 Hektar an Fläche verloren“. 461.000 Hektar – das ist deutlich mehr als die Fläche des Saarlands, verschwunden in einem einzigen Jahrzehnt.

Eine zweite Zahl derselben Inventur wird selten zitiert und ist mindestens so bemerkenswert: Seit der Kohlenstoffinventur 2017 hat der Kohlenstoffvorrat im Wald um 41,5 Millionen Tonnen abgenommen. „Damit wird der Wald in dem Zeitraum 2017 bis 2022 zu einer Kohlenstoff-Quelle“, heißt es dazu. Der deutsche Wald hat in diesen fünf Jahren mehr Kohlenstoff abgegeben als aufgenommen.

Abgestorbene Fichtenstämme ohne Nadeln, dazwischen junge grüne Fichten auf einer Bergkuppe
Symbolbild: abgestorbener Fichtenbestand, dazwischen Naturverjüngung. Foto: Felix Mittermeier / Pexels

318 Millionen Festmeter Kalamitätsholz

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat führt eine laufende Erfassung. Für die Jahre 2018 bis 2025 weist es einen Kalamitätsholzanfall von „über 318 Mio. Festmetern“ aus, davon rund 290 Millionen Festmeter Nadelholz und über 28 Millionen Festmeter Laubholz (Stand 05.06.2026).

Die Jahresverläufe des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie sich das verteilt hat. 2018 fielen 11 Millionen Kubikmeter Schadholz durch Insektenschäden an; 2019 waren es 32 Millionen, „fast dreimal so viel“ wie im Vorjahr. Der Höhepunkt lag 2020 bei 43,3 Millionen Kubikmetern Insektenschadholz und 60,1 Millionen Kubikmetern Schadholz insgesamt – dem höchsten Wert seit Beginn der Zeitreihe 1990.

Und die Konsequenz für die Fläche: Mehr als 500.000 Hektar Waldfläche müssen nach Schätzung von Fachleuten in den nächsten Jahren wiederbewaldet werden. Das ist der Vorrat an offenen Flächen, um den es geht, wenn über Waldbrandrisiko gesprochen wird – nachzulesen in Waldbrand im Hürtgenwald: Warum ausgerechnet die Kahlschläge brannten.

Warum es ausgerechnet die Fichte getroffen hat

Flachwurzler in Dürrejahren

Das Bundeslandwirtschaftsministerium benennt die Auslöser klar: „die extreme Trockenheit verbunden mit hohen sommerlichen Temperaturen in den Jahren 2018 bis 2020, im Jahr 2022 und auch in 2023“. Wie außergewöhnlich der Beginn war, zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung: „2018 hat erstmalig seit 1976 wieder eine großflächige Dürre in Deutschland sowohl im Oberboden als auch über die gesamte Bodentiefe gebracht.“ Der Monitor bildet den Bodenfeuchtezustand bis in eine Tiefe von maximal zwei Metern ab.

Genau in dieser Tiefe liegt das Problem der Fichte. Sie wurzelt flach. Wo tiefer wurzelnde Arten in einem Trockenjahr noch Wasser erreichen, ist für die Fichte Schluss – ihr Wurzelraum ist genau der Bereich, der zuerst austrocknet. Kommen mehrere solcher Jahre hintereinander, erholt sich der Bestand zwischen den Trockenphasen nicht mehr.

Harzdruck: die Verteidigung, die als Erstes ausfällt

Eine gesunde Fichte wehrt anfliegende Borkenkäfer mechanisch ab: Sie drückt sie mit Harz aus dem Einbohrloch. Diese Verteidigung kostet Wasser und Energie. Fällt beides aus, fällt sie mit aus.

Belegen lässt sich dieser Zusammenhang an der zweiten wichtigen Art: die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schreibt über den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), diese Art profitiere „vom verminderten Harzdruck in Folge von Trockenstress“. Dass derselbe Mechanismus beim Buchdrucker wirkt, ist die gängige forstliche Darstellung – einen wörtlichen Beleg dafür habe ich in den geprüften amtlichen Quellen nicht gefunden.

Das ist der Punkt, an dem aus zwei Einzelproblemen ein sich selbst verstärkender Vorgang wird: Trockenheit schwächt die Abwehr, die geschwächte Abwehr lässt mehr Käfer durch, mehr Käfer bedeuten mehr befallene Bäume, und jeder befallene Baum liefert die nächste Käfergeneration.

Fraßgänge unter der Baumrinde mit Muttergang, abzweigenden Larvengängen, weißen Larven und jungen Käfern
Symbolbild: Brutbild unter der Rinde – Muttergang, Larvengänge, Jungkäfer. Die Art ist am Foto nicht sicher bestimmbar. Foto: Petr Ganaj / Pexels

Der Buchdrucker: wie aus Wärme ein Massenbefall wird

Zwei Generationen – und was ein warmes Jahr daraus macht

Der maßgebliche Schädling hat einen Namen: Buchdrucker, wissenschaftlich Ips typographus. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schreibt zu seinen Wirtsbäumen: „Bevorzugt werden Fichten, selten auch andere Nadelbäume wie Kiefern und Lärchen.“ Zur Vermehrung hält das Umweltbundesamt fest: „Normalerweise bildet der Buchdrucker zwei Generationen pro Sommer aus“, wobei „ein Weibchen bis zu 80 Eier legen kann“.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ist konkreter: „Je nach Witterungsverlauf können sie unter den gegenwärtigen Klimabedingungen 2 – 3 Generationen im Jahr anlegen. Hinzu kommen noch mehrere Geschwisterbruten je Generation.“

Wie stark sich das verschoben hat, misst das Umweltbundesamt mit einem eigenen Indikator. Dessen Kernaussage: „Die Fichtenfläche, auf der infolge der veränderten Witterungsverhältnisse vier und mehr Vermehrungszyklen des Borkenkäfers pro Jahr möglich sind, ist signifikant angestiegen.“ In den Jahren 2014 und 2018 waren nach dieser Auswertung auf 60 beziehungsweise 70 Prozent der Fichtenfläche fünf Zyklen möglich.

Wer sich die Wirkung einer zusätzlichen Generation vor Augen führen will, muss nicht rechnen können – es genügt zu wissen, dass jede Generation die Population vervielfacht. Ein warmer Sommer verschiebt damit nicht die Menge um ein paar Prozent, sondern die Größenordnung. Genau das erklärt, warum aus dem Jahr 2018 mit 11 Millionen Kubikmetern binnen zwei Jahren das Jahr 2020 mit 43,3 Millionen wurde.

Was Forstleute dagegen tun können – und was nicht

Die forstliche Antwort auf Massenvermehrung heißt saubere Waldwirtschaft: befallene Bäume erkennen, fällen und aus dem Wald bringen, bevor die nächste Generation ausfliegt. Das funktioniert, solange die Zahl der Befallsherde beherrschbar ist.

Aus meiner Sicht spricht viel dafür – ein Beleg dafür ist mir aber nicht bekannt: Genau diese Beherrschbarkeit ist in den Jahren ab 2019 in vielen Regionen verloren gegangen, weil Personal, Maschinen und Lagerkapazitäten nicht in derselben Geschwindigkeit wachsen konnten wie die Käferpopulation. Belegen lässt sich hier nur das Ergebnis, nicht die Ursachenkette.

Großer Stapel geernteter Baumstämme an einem unbefestigten Waldweg unter sommerlichem Himmel
Symbolbild: Holzpolter am Waldweg. In den Kalamitätsjahren war dieses Bild in ganzen Regionen der Normalzustand. Foto: Joel SIMEON / Pexels

Die Zahlen werden besser – warum das nur halb eine gute Nachricht ist

Schadholz auf einem Fünftel des Rekordwerts

Die aktuellen Zahlen sehen deutlich freundlicher aus. Das Statistische Bundesamt meldete für 2025 einen Gesamtholzeinschlag von 57,3 Millionen Kubikmetern, darin 12,7 Millionen Kubikmeter Schadholz und davon 7,9 Millionen Kubikmeter durch Insektenschäden. Gegenüber 2024 ist der Schadholzeinschlag um 53,7 Prozent zurückgegangen; gegenüber dem Rekordjahr 2020 liegt das Insektenschadholz um 81,8 Prozent niedriger.

Der Schadholzanteil am gesamten Einschlag lag 2025 bei 22,1 Prozent. Zum Vergleich: 2020 waren es 74,8 Prozent. Drei von vier gefällten Bäumen waren damals Schadholz; heute ist es rund jeder fünfte.

Auch die Waldzustandserhebung 2025, veröffentlicht im Mai 2026, meldet für die Fichte eine leichte Besserung: Der Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung ging von 39 auf 38 Prozent zurück, der Anteil ohne Kronenverlichtung stieg von 21 auf 25 Prozent, die mittlere Kronenverlichtung sank von 27,2 auf 25,2 Prozent.

Der Vorbehalt, den die Erhebung selbst macht

An dieser Stelle wird es interessant, denn die Erhebung relativiert ihr eigenes Ergebnis. Zur Absterberate heißt es, sie sei 2025 stark zurückgegangen, „wobei in den Vorjahren durch Kalamitäten abgestorbene Altbäume in der Stichprobe durch jüngere Bäume ersetzt wurden“. Und weiter: Der positive Befund „kann allerdings ein Effekt des flächendeckenden Absterbens der Fichten in den Vorjahren sein, da abgestorbene Bäume in der Stichprobe durch neue Bäume am Aufnahmepunkt ersetzt werden“.

Das ist ein Satz, den man zweimal lesen sollte. Ein Teil der Verbesserung entsteht nicht dadurch, dass es kranken Fichten besser geht, sondern dadurch, dass die kranken Fichten nicht mehr da sind. Wer nur noch die Überlebenden misst, misst bessere Werte. Dasselbe gilt für die Schadholzzahlen: Weniger Käferholz heißt auch, dass weniger Fichte übrig ist, an der sich Käfer vermehren könnten.

Über den ganzen Wald hinweg bleibt die Lage ohnehin angespannt. Die Waldzustandserhebung 2025 weist 35 Prozent der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung aus und 44 Prozent in der Warnstufe; 21 Prozent sind ohne Schaden. Bundesminister Alois Rainer fasste das so zusammen: „Jeder fünfte Baum ist voll belaubt.“ Bei der Eiche liegt der Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung unverändert bei 51 Prozent, bei der Kiefer stieg er von 24 auf 31 Prozent.

Was auf den Flächen folgt

Naturverjüngung oder Pflanzung: der Befund aus Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen lässt sich die Entwicklung besonders gut nachvollziehen, weil das Land eine eigene Auswertung vorgelegt hat. Nach dem Wiederbewaldungskonzept des Landwirtschaftsministeriums sind „mit etwa 133.000 Hektar Schadfläche (Stand: Ende August / Anfang September 2024) […] rund 14 Prozent […] der nordrhein-westfälischen Waldfläche betroffen“.

Wie weit die Wiederbewaldung gediehen ist, steht dort ebenfalls: Rund 59.000 Hektar der seit 2018 entstandenen Kalamitätsfläche sind wiederbewaldet, davon „64 Prozent aus Naturverjüngung (ca. 38.000 Hektar) und 36 Prozent aus Pflanzung (ca. 21.000 Hektar)“. Bundesweit ist der Anteil der Naturverjüngung an der Jungbestockung nach der Bundeswaldinventur sogar noch höher: „Der junge Wald entsteht zu 91 % aus Naturverjüngung, also ohne gesonderte Saat oder Pflanzung.“

Ein Detail aus derselben NRW-Auswertung dürfte manchen überraschen: Bei der Baumartenzusammensetzung der Wiederbewaldung steht die Fichte mit 33 Prozent an erster Stelle, gefolgt von anderem Laubholz mit niedriger Umtriebszeit mit 32 Prozent und der Douglasie mit 13 Prozent. Empfohlen werden „Kombinationen von vier standortgerechten Baumarten“.

„Flächige Fichten-Naturverjüngung ist keine geeignete Grundlage für die nächste Waldgeneration.“

Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Praxisleitfaden Walderneuerung nach Schadereignissen

Der Widerspruch zwischen dieser Empfehlung und den 33 Prozent Fichte in der tatsächlichen Wiederbewaldung ist auflösbar – ein großer Teil der Fichte auf diesen Flächen dürfte Naturverjüngung sein, die sich von selbst einstellt, weil Samenbäume in der Nähe standen. Das ist meine Einschätzung, keine Aussage der Quelle. Sicher ist nur: Die Fichte ist auf den Schadflächen keineswegs verschwunden.

Was das für uns draußen bedeutet

Auch das Gesamtbild hat sich verschoben. In Nordrhein-Westfalen ist nach der vierten Bundeswaldinventur „die Buche mit 19 Prozent die häufigste Baumart in unseren Wäldern, gefolgt von Eiche und Fichte mit jeweils 18 Prozent“; der Laubwaldanteil liegt bei 65 Prozent der Waldfläche. Bundesweit prägen Mischwälder inzwischen 79 Prozent des Waldes gegenüber 76 Prozent bei der Vorgängerinventur, und der Totholzvorrat ist auf durchschnittlich 29,4 Kubikmeter je Hektar gestiegen – 9,5 Kubikmeter mehr als 2012.

Für den, der dort unterwegs ist, heißt das drei Dinge. Erstens: Die offenen Flächen bleiben noch Jahre offen und sind bei Trockenheit die kritischen Stellen – siehe Waldbrandgefahrenstufen 1 bis 5. Zweitens: Auf und neben Kalamitätsflächen stehen abgestorbene Bäume, die bei Wind Äste verlieren; nach Sturmlagen ist Abstand die einzige verlässliche Maßnahme. Drittens: Wegzustand und Wegführung ändern sich auf diesen Flächen laufend, weil Räumung und Pflanzung mit schwerem Gerät stattfinden. Kartenmaterial, das drei Jahre alt ist, stimmt dort oft nicht mehr.

Weiterlesen auf wildnisruf.de

Häufige Fragen zum Fichtensterben

Wie viel Fichtenfläche hat Deutschland verloren?
Nach der vierten Bundeswaldinventur steht die Fichte noch auf 2,3 Millionen Hektar und hat in der Inventurperiode bis 2022 rund 16,8 Prozent oder 461.000 Hektar an Fläche verloren. Damit ist sie mit 20,9 Prozent des Holzbodens hinter die Kiefer mit 21,8 Prozent zurückgefallen.
Warum ist die Fichte so anfällig für Trockenheit?
Die Fichte wurzelt flach und erreicht in Trockenphasen kein Wasser aus tieferen Bodenschichten. Zugleich fällt bei Wassermangel ihre wichtigste Verteidigung gegen Borkenkäfer aus, der Harzdruck. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schreibt zum Kupferstecher, diese Art profitiere vom verminderten Harzdruck in Folge von Trockenstress.
Welcher Borkenkäfer befällt die Fichte?
Der bedeutendste ist der Buchdrucker (Ips typographus), der nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bevorzugt Fichten befällt, selten auch Kiefern und Lärchen. Daneben spielt der Kupferstecher eine Rolle, der nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft vom verminderten Harzdruck infolge von Trockenstress profitiert.
Wie viele Generationen bildet der Buchdrucker pro Jahr?
Das Umweltbundesamt gibt an, dass der Buchdrucker normalerweise zwei Generationen pro Sommer ausbildet und ein Weibchen dabei bis zu 80 Eier legen kann; unter veränderten Witterungsbedingungen sind vier und mehr Vermehrungszyklen möglich. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft nennt zwei bis drei Generationen im Jahr, hinzu kommen mehrere Geschwisterbruten je Generation.
Welche Jahre gelten als Dürrejahre für den Wald?
Das Bundeslandwirtschaftsministerium nennt die extreme Trockenheit mit hohen Sommertemperaturen in den Jahren 2018 bis 2020, im Jahr 2022 und auch in 2023. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung hält fest, dass 2018 erstmals seit 1976 wieder eine großflächige Dürre in Deutschland sowohl im Oberboden als auch über die gesamte Bodentiefe brachte.
Ist das Fichtensterben inzwischen vorbei?
Die Zahlen entspannen sich deutlich: 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 7,9 Millionen Kubikmeter Insektenschadholz eingeschlagen, 81,8 Prozent weniger als im Rekordjahr 2020. Die Waldzustandserhebung warnt aber selbst, dass ein Teil der Verbesserung darauf beruht, dass abgestorbene Bäume in der Stichprobe durch neue ersetzt werden. Ein Teil des besseren Werts ist also Folge des Absterbens, nicht der Erholung.
Wie viel Waldfläche muss in Deutschland wiederbewaldet werden?
Mehr als 500.000 Hektar Waldfläche müssen nach Schätzung von Fachleuten in den nächsten Jahren wiederbewaldet werden, so das Bundeslandwirtschaftsministerium. In Nordrhein-Westfalen waren nach dem Wiederbewaldungskonzept des Landes rund 133.000 Hektar Schadfläche entstanden, das entspricht etwa 14 Prozent der Waldfläche des Landes.
Wächst auf den Schadflächen wieder Fichte?
Ja, in erheblichem Umfang. Nach dem Wiederbewaldungskonzept Nordrhein-Westfalen steht bei der Baumartenzusammensetzung der Wiederbewaldung die Fichte mit 33 Prozent an erster Stelle. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW hält in seinem Praxisleitfaden allerdings fest, flächige Fichten-Naturverjüngung sei keine geeignete Grundlage für die nächste Waldgeneration.

Quellen und weiterführende Links

Stand: 23. August 2026. Alle Zahlen stammen aus den genannten amtlichen und wissenschaftlichen Quellen mit dem jeweils dort angegebenen Erhebungsstand. Waldzustandserhebung und Holzeinschlagsstatistik werden jährlich fortgeschrieben; die Bundeswaldinventur wird nur etwa alle zehn Jahre erhoben. Wo eine Aussage meine Einschätzung und nicht der Befund einer Quelle ist, steht das im Text.

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