Der Notruf im Wald scheitert selten am Telefon. Er scheitert an der Frage „Wo sind Sie?“ – und daran, dass die ehrliche Antwort meist lautet: irgendwo zwischen zwei Wegen, eine Viertelstunde hinter dem Parkplatz, an einer Fichte. Genau für diese Lücke gibt es die forstlichen Rettungspunkte. Sie kosten nichts, sind öffentlich abrufbar, und man sollte sie kennen, bevor man sie braucht.
Forstliche Rettungspunkte auf einen Blick
- Was sie sind: Forstliche Rettungspunkte sind nach Definition des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik „definierte Orte im Wald, die mithilfe von Koordinatenangaben Treffpunkte beschreiben“.
- Wofür sie da sind: Ein Rettungspunkt vereinfacht die Ortsauffindung zwischen Verunfallten und Rettungsdienst – nach Angaben des KWF besonders für ortsfremde Personen.
- Wer sie pflegt: Das KWF sammelt die Rettungspunkte zentral und stellt sie öffentlich bereit; die Daten werden nach Angaben des KWF „freiwillig und kostenlos durch die Waldbesitzer bereitgestellt“.
- Wie man an die Daten kommt: Das KWF bietet die Rettungspunkte als Shape-, KML- und GPX-Download, als Web Map Service und über ein eigenes Geoportal an; dazu kommen Kartenviewer der Landesforstverwaltungen.
- Was im Notfall zu tun ist: Die bayerische Rettungskette Forst nennt die Reihenfolge – Unfallstelle sichern, Verletzten versorgen, dann Notruf 112 mit der Bezeichnung des nächstgelegenen erreichbaren Rettungstreffpunkts.
- Was ich nicht sagen kann: Wie viele Rettungspunkte es bundesweit gibt und ob die Kennungen einheitlich aufgebaut sind, geht aus den öffentlichen Seiten des KWF nicht hervor. Bayern nennt als Beispiel die Form „M-L-2345“.
Was ein Rettungspunkt ist – und was nicht
Ein Treffpunkt, keine Rettungsstation
Der häufigste Irrtum steckt schon im Wort. Ein Rettungspunkt ist keine Station, kein Notrufmelder und keine Ausrüstung im Wald. Es ist ein Treffpunkt: eine festgelegte, koordinatengenaue Stelle mit einer eindeutigen Bezeichnung, an der Rettungsdienst und Hilfesuchende zusammenkommen. Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik formuliert es als „definierte Orte im Wald, die mithilfe von Koordinatenangaben Treffpunkte beschreiben“.
Dass diese Punkte fast immer an befestigten Wegen liegen, ist kein Zufall, sondern der ganze Sinn: Der Rettungswagen muss hinkommen. Deshalb ersetzt der Rettungspunkt auch nicht die Ortsbeschreibung – er ergänzt sie um etwas, das die Leitstelle sofort in ihre Karte übertragen kann.

Wer die Punkte setzt und pflegt
Das System ist ursprünglich für die Waldarbeit entstanden – das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus stellt seiner Rettungskette Forst den Satz voran, Waldarbeit sei „trotz aller Fortschritte beim Arbeitsschutz eine äußerst gefährliche Tätigkeit“. Genutzt werden dürfen die Punkte aber von jedem, der im Wald in Not gerät: Wanderer, Mountainbiker, Reiter, Pilzsammler.
Die Datenhaltung liegt beim KWF, das die Punkte bundesweit zusammenführt. Wichtig für die Erwartungshaltung: Die Daten werden nach Angaben des KWF freiwillig und kostenlos durch die Waldbesitzer bereitgestellt. Daraus folgt, dass die Abdeckung nicht überall gleich dicht ist. Wer sich darauf verlässt, dass in jedem Waldstück Deutschlands ein Punkt in erreichbarer Nähe liegt, verlässt sich auf etwas, das niemand zugesagt hat.
„Forstliche Rettungspunkte sind definierte Orte im Wald, die mithilfe von Koordinatenangaben Treffpunkte beschreiben.“
Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF)
Wie man den nächsten Punkt findet
Vor der Tour: herunterladen, nicht suchen
Der entscheidende Schritt passiert zu Hause. Das KWF stellt die Rettungspunkte als Shape-, KML- und GPX-Datei zum Download bereit, dazu einen Web Map Service und ein eigenes Geoportal; die Landesforstverwaltungen betreiben zusätzlich eigene Kartenviewer und Downloadangebote. Eine GPX-Datei lässt sich in praktisch jede Navigations-App und auf jedes Outdoor-Gerät laden – dann sind die Punkte offline verfügbar.
Es gibt auch kleinräumige amtliche Angebote. Die Stadt Bonn etwa veröffentlicht die Rettungspunkte für ihre Waldflächen über Open.NRW als GeoJSON unter CC-Zero-Lizenz, erstellt von der Feuerwehr Bonn zusammen mit dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Wer in einer bestimmten Region regelmäßig unterwegs ist, findet solche Datensätze oft bei der eigenen Kommune.

Unterwegs: Schild, App und der Fall ohne Netz
Vor Ort sind die Punkte in aller Regel beschildert – ein Pfosten oder eine Tafel mit der Kennung. In Bayern kommt eine kostenlose Smartphone-App namens „Hilfe im Wald“ hinzu, außerdem ist der BayernAtlas als interaktive Kartenversion verfügbar. Als Beispiel für den Aufbau einer Kennung nennt das bayerische Ministerium die Form „M-L-2345“.
Ich bin hier unsicher und würde es vor einer Weiterverwendung prüfen: Ob dieses Kennungsschema bundesweit einheitlich ist, geht aus den geprüften Quellen nicht hervor. Für die Praxis spielt es keine Rolle – man liest die Kennung ab und gibt sie durch, wie sie dasteht.
Der Fall, an den kaum jemand denkt: kein Netz. Dann nützt die schönste App nichts, und der Notruf geht auch nicht. In dieser Lage zählt, ob man den Weg zurück zu einem befahrbaren Weg findet – wozu es keine App braucht, sondern Orientierung. Was dafür funktioniert, steht in Ohne Kompass den Weg finden.
Der Notruf: Reihenfolge und Wortlaut
Die Reihenfolge, die Bayern vorgibt
Die Rettungskette Forst beschreibt den Ablauf knapp und in dieser Reihenfolge: „Sichern Sie als erstes die Unfallstelle und versorgen als nächstes den Verletzten. Setzen Sie anschließend einen Notruf (112) mit der Bezeichnung des nächstgelegenen erreichbaren Rettungstreffpunktes ab.“ Danach geht man zu diesem Punkt und begleitet die Rettungskräfte von dort zum Verletzten.
Zwei Details lohnen die Aufmerksamkeit. Erstens steht die Bezeichnung des Punktes im Notruf selbst, nicht als Nachtrag – die Leitstelle disponiert damit sofort. Zweitens heißt es „nächstgelegener erreichbarer“ Punkt. Der geografisch nächste nützt nichts, wenn zwischen ihm und der Unfallstelle ein Bachtal liegt.
Wo die Grenze des Systems liegt
Ein Rettungspunkt löst ein einziges Problem – die Ortsangabe – und zwar gut. Er löst nicht das Problem, dass jemand am Punkt stehen und einweisen muss, und er hilft nicht, wenn der Verletzte allein unterwegs war und sich nicht bewegen kann. Er ersetzt auch keine Erste Hilfe und kein Erste-Hilfe-Material im Rucksack.
Der praktische Rat ist deshalb unspektakulär: Die Rettungspunkte der Region einmal als GPX aufs Gerät laden, dort belassen, und beim Start einer Tour beiläufig zur Kenntnis nehmen, wo die nächsten liegen. Das kostet einmal zehn Minuten und danach nichts mehr.
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Häufige Fragen zu forstlichen Rettungspunkten
Quellen und weiterführende Links
- Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik: Rettungspunkte – Definition, Datenhaltung und die Downloadformate.
- Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: Rettungskette Forst – Ablauf des Notrufs, App „Hilfe im Wald“ und BayernAtlas.
- Open.NRW / Stadt Bonn: Rettungspunkte Bonn – kommunaler Datensatz der Feuerwehr Bonn mit dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft, GeoJSON unter CC Zero.
Stand: 23. August 2026. Angebote, Apps und Datenformate der Forstverwaltungen ändern sich; im Zweifel gilt die Auskunft des zuständigen Forstamts. Dieser Beitrag ersetzt keine Erste-Hilfe-Ausbildung.

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