Krähenjagd Lockjagd: Sicher in der Praxis

Tarnschirm und Lockbild für die Krähenjagd Lockjagd auf einem Stoppelacker.
Sorgfältiger Aufbau ist die Grundlage einer verantwortungsvollen Lockjagd.

Einleitung

Die Krähenjagd mit Lockjagd verlangt weit mehr als Attrappen und gute Rufe. Wer Rabenvögel verantwortungsvoll bejagt, prüft zuerst Landesrecht, Jagdzeiten und Artenvorkommen. Danach entscheiden Revierkenntnis, ein glaubwürdiges Lockbild und ein sicherer Stand über den Jagderfolg. Diese Grundlagen verbinden eine wirksame Lockjagd mit Artenschutz und konsequenter Schießsicherheit.

Der Rechtsrahmen der Krähenjagd mit Lockjagd

Jäger prüft Jagdunterlagen und ein Bestimmungsbuch für Rabenvögel am Feldrand.

Verwechslungsgefahr bei schwarzen Corvus-Arten

Bei der Krähenjagd mit Lockjagd muss die Art zweifelsfrei feststehen, bevor ein Schuss fällt. „Schwarze Krähe“ allein reicht als Ansprache nicht aus, denn mehrere Corvus-Arten ähneln sich stark. Die Saatkrähe trägt bei Altvögeln einen nackten, hellen Schnabelgrund. Die bejagbare Rabenkrähe unterscheidet sich davon durch einen vollständig befiederten Schnabelansatz. Jungvögel zeigen dieses Merkmal noch kaum ausgeprägt und sind deshalb besonders vorsichtig anzusprechen. Die Nebelkrähe ist durch ihre grauen Körperpartien bei schwarzem Kopf klar erkennbar. Im Übergangsgebiet zur Rabenkrähe können jedoch Mischformen auftreten. Die Dohle fällt durch geringere Größe, grauen Nacken und helle Augen auf. Der Kolkrabe zeigt sich durch massigen Körperbau, keilförmigen Schwanz und tiefen Ruf. Elster und Eichelhäher lassen sich über Gefiederkontrast beziehungsweise Bartstreif und Flügelbänderung meist gut abgrenzen. Bei Gegenlicht, großer Distanz oder nur kurzem Anflug gilt ein klarer Grundsatz: Passen Größe, Schnabelbasis, Kopf- und Gefiederzeichnung nicht eindeutig zusammen, unterbleibt der Schuss.

Bundesregel ist nur ein Rahmen

Eine bundesweit einheitliche, unmittelbar geltende Jagdzeit für Rabenvögel gibt es nicht. Zwar nennt die Bundesjagdzeitenverordnung Regeljagdzeiten für Raben- und Nebelkrähe sowie Elster. Für die Praxis zählt aber allein die Regelung des Bundeslandes, in dem der Jagdbezirk liegt. Länder setzen eigene Zeiten fest, verkürzen sie oder sehen zusätzliche Schonzeiten vor.

Es gelten das Landesjagdgesetz, die landesrechtliche Jagdzeitenverordnung, aktuelle Änderungsverordnungen sowie örtliche Anordnungen der Jagdbehörde. Auch Schutzgebiete, befriedete Bezirke oder speziell angeordnete Flächen können die landesweite Jagdzeit weiter einschränken.

Eine eröffnete Jagdzeit ersetzt keine weitere Prüfung. Naturschutzrechtliche Vorgaben oder behördliche Einschränkungen gehen im Einzelfall vor. Eine Ausnahmegenehmigung, etwa zur Schadensabwehr, gilt nur in ihrem konkreten räumlichen und zeitlichen Umfang – niemals als allgemeine Verlängerung.

Der Standort des Jagdbezirks zählt stets – nicht der Wohnort des Jägers oder die Regelung eines Nachbarreviers.

Der Anflug wird sorgfältig vorbereitet

Tarnschirm und Lockkrähen auf einem Stoppelacker für die Krähenjagd Lockjagd.

Wo die Krähenjagd mit Lockjagd ansetzt

Der Standplatz entscheidet über den Erfolg der Lockjagd. Diese Wahl fällt bereits vor dem eigentlichen Jagdtag. Der Deutsche Jagdverband rät, den Ansitz so zu wählen, dass aktuelle Flugrouten, Schlaf- und Futterplätze bereits bekannt sind. Krähen bewegen sich erfahrungsgemäß entlang stabiler Linien: Hecken, Baumreihen, Bachläufe oder Feldgehölze wirken wie natürliche Leitstrukturen. Wer diese Wege vorher beobachtet, kann den Ansitzschirm dort platzieren, wo Vögel ohnehin täglich vorbeikommen. Besonders attraktiv sind frisch gemähte Wiesen, abgeerntete Äcker, umgebrochene Flächen oder Stellen mit Mist. Sie versprechen Nahrung und ziehen Krähen gezielt an. Auch die Windrichtung gehört in diese Planung, da Krähen bevorzugt gegen den Wind anfliegen. Deckung durch Hecken, Baumgruppen oder Schilfsäume soll den Schirm verbergen, ohne das spätere Schussfeld einzuschränken. So entsteht ein Standplatz, der nicht auf Zufall beruht, sondern auf genauer Kenntnis des täglichen Flugverhaltens.

Natürliche Unordnung als Lockwirkung

Bei der Krähenjagd mit Lockjagd braucht ein überzeugendes Lockbild eine ausreichende Anzahl Attrappen. Meist sind es zwischen 20 und 30 Stück, damit anstreichende Vögel eine attraktive Gruppe erkennen. Wichtiger als Gleichförmigkeit ist eine unregelmäßige, lockere Verteilung mit wechselnden Abständen und kleinen Trupps statt geometrischer Muster. Freie Flächen zwischen den Attrappen bleiben wichtig, damit einfallende Vögel einen erkennbaren Landeraum finden.

Glaubwürdig wirkt die Gruppe erst durch unterschiedliche Körperhaltungen: überwiegend äsende oder pickende Figuren, ergänzt durch wenige aufmerksam aufgerichtete Sicherungsvögel. Ein zu hoher Anteil wachsam wirkender Attrappen vermittelt Unruhe statt Sicherheit. Auch die Ausrichtung sollte variieren, orientiert an einer typischen Anflugrichtung gegen den Wind.

Bewegliche Elemente können die Fernwirkung erhöhen, sollten aber sparsam und unauffällig eingesetzt werden. Wind, Regen und Wildkontakt verändern das Bild, weshalb Kontrolle und Korrektur der Attrappen vor und während des Ansitzes selbstverständlich dazugehören.

Jeder Schuss verlangt volle Kontrolle

Jäger kontrolliert mit Fernglas ein freies Schussfeld am Feldrand.

Zurückhaltung beim Locken zahlt sich aus

Bei der Krähenjagd mit Lockjagd sollen Lockrufe Krähen nur auf Schrotschussentfernung bringen, nicht darüber hinaus. Zulässig sind nur Mundlocker oder von Hand bediente Krähenlocker; elektronische Lockgeräte sind untersagt. Der Einsatz bleibt sparsam und richtet sich nach der Situation. Bei schlechtem Wetter oder gegenüber jagderfahrenen Krähen helfen Rufe. Am Frühansitz genügen oft schon ein- bis zweimalige Signale, um Vögel zum Zustehen zu bewegen.

Die passende Rufart – Futter-, Sammel- oder Klagerufe – muss zur Situation passen. Die Reaktion der Krähen wird dabei genau beobachtet. Der Sammelruf gilt häufig als wichtigster und meist ausreichender Lockruf. Sobald Vögel ins Lockbild einfallen oder gezielt darauf zufliegen, wird das Locken sofort eingestellt. Warnrufe oder Angstgeschrei haben am freundlichen Lockbild nichts zu suchen, da sie Misstrauen erzeugen. So bleibt der Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Ein sicherer Bereich für die Krähenjagd mit Lockjagd

Der Bereich, in dem geschossen werden darf, steht bereits vor dem Ansitz fest. Geeignet ist eine Fläche vor oder seitlich des Schirms. Dort lässt sich die anstreichende Krähe früh erkennen, ihr Flug verfolgen und die Entfernung sicher einschätzen. Hinter diesem Fenster dürfen keine Wege, Gebäude, Ställe, Personen oder Nutztierflächen liegen. Schrote bleiben nämlich weit über die wirksame Distanz hinaus gefährdend. Ein freier Himmel reicht als Begründung für den Schuss nicht aus. Der gesamte Raum hinter und unter dem Vogel muss sicher sein. Die Lockvögel werden so platziert, dass Krähen genau in dieses Fenster einfallen. Die äußersten Attrappen sollten dabei nicht zu weit vom Schirm stehen. Geschossen wird erst, wenn der Vogel eindeutig im festgelegten Bereich steht und die Distanz passt. Steil wegziehende oder nur am Rand erscheinende Krähen werden nicht beschossen. Bei mehreren Schützen gelten vorab klar getrennte Sektoren; kreuzende Flugbahnen und Folgeschüsse erfordern dieselbe konsequente Kontrolle.

Fazit

Krähenjagd mit Lockjagd ist verantwortungsvolle Revierarbeit: Das Landesrecht bestimmt den Rahmen, sichere Artenansprache bewahrt geschützte Vögel, und ein durchdachtes Lockbild lenkt den Anflug in einen kontrollierbaren Bereich. Wo Rechtslage, Sicht oder Schussfeld nicht eindeutig sind, bleibt der Finger gerade. Gute Lockjagd zeigt sich nicht an vielen Chancen, sondern an jeder bewusst und sicher getroffenen Entscheidung.

Quelle: Recht Nordrhein-Westfalen Jagdzeiten

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Jagd-, Waffen- und Naturschutzrecht sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt und ändern sich; maßgeblich ist stets die Fassung, die zum Zeitpunkt des Vorhabens gilt. Wer eine verbindliche Auskunft braucht, wendet sich an die zuständige Behörde oder an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Weiterlesen

  • Den Jagdschein machen – Jäger werden – Den Jagdschein machen, das ist der Traum von vielen jungen und auch älteren Menschen. Die Frage ist nicht, was dafür …
  • Jagd im Regen – Eine Jagd im Regen macht keinen Sinn. Das denken viele Jäger. Warum es anders ist, erfahren Sie hier.
  • Jagdschein abgelaufen – was jetzt? – Mancher Jäger wird plötzlich vor Schreck kreidebleich, Jagdschein abgelaufen! Meistens stellt der Jäger dies fest, weil …

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*