Sturm ist die Wetterlage, die draußen am zuverlässigsten unterschätzt wird. Gewitter sieht man kommen, Kälte spürt man – Wind wird erst dann zum Problem, wenn er etwas trifft, das umfallen kann. Und das ist im Wald fast alles.
Was die Warnstufen bedeuten
Der Deutsche Wetterdienst arbeitet mit vier Warnstufen, von der einfachen Wetterwarnung bis zur Warnung vor extremem Unwetter. Davon zu unterscheiden sind die Begriffe für die Windstärke selbst – sie sind keine Umgangssprache, sondern definierte Schwellen. Grob gilt: Ab etwa 50 km/h spricht man von Windböen, ab 65 km/h von Sturmböen, ab 90 km/h von schweren Sturmböen, ab 105 km/h von orkanartigen und ab 120 km/h von Orkanböen. Gemessen wird in rund zehn Metern Höhe über freiem Gelände – in exponierten Gipfellagen liegen die tatsächlichen Werte höher.
Für die Tourenplanung heißt das: Eine Warnung vor Sturmböen ist kein Grund, zu Hause zu bleiben – im Wald aber sehr wohl einer, die Route zu ändern. Ab schweren Sturmböen gehört keine Wanderung mehr in bewaldetes Gelände.
Die eigentliche Gefahr ist nicht der Wind
Umgeworfen wird kaum jemand. Getroffen schon. Was bei Sturm herunterkommt, sind abgestorbene Äste, ganze Kronenteile und bei durchnässtem Boden auch Bäume mit Wurzelteller.
Besonders heikel sind Bestände, die durch Trockenheit und Borkenkäfer geschwächt sind – dort stehen viele tote Fichten, deren Kronen bei jedem stärkeren Wind brechen. Nach Sturmereignissen bleiben außerdem angebrochene Äste hängen, die erst Tage später fallen. Auch Waldränder und einzeln stehende Bäume sind gefährlicher als geschlossener Bestand, weil sie den Wind ungebremst abbekommen.
Wenn dich der Sturm im Wald erwischt: nicht warten, bis es nachlässt, sondern zügig heraus. Freiflächen, Wiesen und breite Wege sind sicherer als jeder Bestand. Vermeide dabei Bereiche unterhalb von Hängen, wo Steine gelöst werden können.
Im Gebirge und auf offenem Gelände
Hier kehrt sich die Logik um: Nicht das Herabfallende ist das Problem, sondern der Wind selbst und die Kälte, die er mitbringt. Auf Graten und an Abbrüchen kann eine einzelne Bö reichen, um dich aus dem Tritt zu bringen.
Halte dich von Kanten, Gipfelaufbauten und ausgesetzten Passagen fern und geh, wenn möglich, auf der windabgewandten Seite. Nischen unter freistehenden Felsblöcken sind trügerisch: Sie schützen vor Wind, sind aber bei Gewitter genau die falsche Stelle. Und rechne damit, dass gefühlte Temperatur und tatsächliche weit auseinanderliegen – Wind zieht Wärme deutlich schneller ab als stehende Luft.
Anzeichen, dass etwas aufzieht
Ein Handy mit Empfang und einer Warn-App ist die beste Vorwarnung. Wo keiner ist, hilft der Blick nach oben:
- Wolken, die sich sichtbar schnell bewegen, während unten kaum Wind geht – ein Zeichen für starken Höhenwind.
- Eine dunkle, geschlossene Front, die aufzieht und nicht wie ein einzelnes Gewitter aussieht.
- Ein plötzlicher Temperatursturz mit auffrischendem Wind – meist der Vorbote der Front, nicht ihr Ende.
- Böen, die in kurzen Abständen kommen und stärker werden statt gleichmäßig zu wehen.
Wenn du unterwegs bleiben musst
Such Schutz hinter festem Gelände – einer Geländekante, einem Hang, einer stabilen Mauer –, nicht unter etwas, das umfallen kann. Prüfe, was über dir steht, bevor du dich hinsetzt.
Ein Zelt ist bei Sturm kein sicherer Ort und schon gar keine Alternative zum Rückzug. Wenn du es aufstellen musst, dann im Windschatten, mit der schmalen Seite zum Wind und mit allen Abspannungen. Rechne damit, dass Gestänge bricht.
Zieh dich früh warm an. Nasse Kleidung im Wind ist der schnellste Weg zur Unterkühlung, und wer erst friert, wenn es losgeht, kommt kaum noch nach.
Und Tornados?
Tornados sind in Deutschland selten, aber es gibt sie – meist klein und kurzlebig, im Zusammenhang mit kräftigen Gewittern. Für die Praxis gilt: Wenn du eine rotierende Trichterwolke siehst, ist Abstand die einzige Maßnahme, die zählt. Beweg dich seitlich zur Zugrichtung, nicht vor ihr her.
Ist ein festes Gebäude erreichbar, geh hinein – in einen innenliegenden Raum ohne Fenster oder in den Keller. Im freien Gelände ohne jeden Schutz legst du dich flach in eine Senke oder einen Graben und schützt den Kopf mit den Armen. Was du nicht tun solltest, obwohl es in älteren Ratgebern steht: dich an einem Baum festhalten. Bäume sind bei extremem Wind das, was zuerst bricht.
Fazit
Die wirksamste Maßnahme gegen Sturm ist die Vorhersage am Vorabend. Wer bei angekündigten Sturmböen eine Waldtour absagt oder auf offenes Gelände verlegt, muss unterwegs keine Entscheidungen mehr treffen. Und wenn es dich doch erwischt: raus aus dem Bestand, weg von Kanten, warm anziehen, und nicht darauf warten, dass es nachlässt.
Quelle: Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes. Die genannten Schwellenwerte sind gerundet; maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fassung beim DWD.
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